20.07.2010 | Arnika + Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Die frei fließende Elbe, die wertvollen umliegenden Gebiete und die Tier- und Pflanzenvielfalt – das ist ein einzigartiger Schatz von europäischer Bedeutung. Der Fluss-Tourismus weist kontinuierliche Wachstumsraten auf, während Transporte per Schiff trotz enormer Baumaßnahmen entlang der Elbe auf ein Minimum zurückgegangen sind. Die auf tschechischer Seite geplanten Staustufen kosten viel Geld, würden der Natur schaden und hätten trotzdem keinen wesentlichen wirtschaftlichen Nutzen. Die Elbe ist ein europäischer Fluss. Entscheidungen, die sich grenzüberschreitend auswirken, müssen bilateral und öffentlich beraten und getroffen werden, schlussfolgern der tschechische Umweltverband Arnika und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
„Die Elbe ist eine wichtige natürliche Verbindungslinie. Als frei fließender und noch relativ naturnaher Strom ist sie ein bedeutendes Refugium für anderswo schon seltene oder ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten. Darum ist die Elbe für ganz Europa von Bedeutung", sagt Ing. Jana Vitnerová vom tschechischen Verband Arnika. „Auch die Weltorganisation der Vereinten Nationen, die dieses Jahr zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärte, legt einen hohen Wert darauf, dass die biologische Vielfalt erhalten bleibt und das Aussterben der Arten gestoppt wird. Die Internationale Gemeinschaft wird sehr genau darauf achten, wie an der Elbe mit den Biodiversitätszielen umgegangen wird."
Als Basis für die Staustufenplanung dient die Vereinbarung der Deutschen Bundesregierung mit der alten tschechischen Regierung vom Juli 2006, wonach bis zum Jahr 2010 eine Wassertiefe von 1,60 Meter in der deutschen Elbe hergestellt werden soll. Die Bundesregierung antwortete nun auf eine Anfrage, dass eine Mindesttiefe an der frei fließenden Elbe nicht zu garantieren sei.
„Eine garantierte Wassertiefe von 1,60 Meter an 345 Tagen wird damit nicht erfüllbar sein“, schlussfolgert Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. „Für die Güterschifffahrt nach Hamburg würde sich bei Niedrigwasser nichts ändern, wenn eine oder zwei Staustufen auf tschechischer Seite gebaut würden, da in Deutschland die Verhältnisse bei Niedrigwasser vergleichbar sind mit den Verhältnissen in Tschechien. Der Bau der Staustufe bei Decin wäre ein Musterbeispiel für Steuergeldverschendung. Hier handelt es sich nicht um einen Konflikt zwischen Wirtschaft und Ökologie, sondern zwischen Wirtschaft und Misswirtschaft.“
Trotz der enormen Anstrengungen ist die Güterschifffahrt auf der Elbe in den letzten 20 Jahren um 90 Prozent eingebrochen. Im Jahr 2009 wurden nur noch 0,9 Mio. Tonnen transportiert. Im Gegensatz dazu boomt der Flusstourismus.
"Das Erleben des Flusses und des Kultur- und Naturerbes wird immer beliebter. In den letzten 6 Jahren stieg die Zahl der Radtouristen an der Elbe um über mehr als 60 Prozent. Dadurch konnten 2400 Arbeitsplätze geschaffen werden, die einen Bruttoumsatz von 125 Million Euro letztes Jahr erwirtschafteten," sagt Iris Brunar vom BUND. Im Flusstourismus liege noch ein großes Potenzial für die Entwicklung der Region.
"Der Elbe-Canyon stellt einen großen Naturreichtum dar, den wir viel intensiver nutzen könnten und für die zukünftigen Generationen erhalten sollten", sagt Ing. Petr Bauer stellvertretender Leiter des Landschaftsschutzgebietes Elbsandsteingebirge. „Der Bau der Staustufe würde dieses Gebiet stark beschädigen,“ warnt Ing. Werner Hentschel, der als ehemaliger Direktor der Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes vor kurzem einen Preis für den Beitrag zur Entstehung und Entwicklung des Nationalparks Böhmische Schweiz erhielt. „Eine Staustufe würde die Wasserströmung im Fluss stoppen und die natürlichen Wasserspiegelschwankungen unterbinden. Für viele Arten, die im Fluss leben, würden sich die Lebensbedingungen so stark verändern, dass sie verschwinden würden. Konkret wird hier der Hirschsprung bedroht, eine Pflanze der Kiesufer“, erklärt Hentschel.
Mit dem Rückgang der natürlichen Lebensräume für geschützte Pflanzen und Tiere wächst auch die Bedeutung der Flusslandschaft Elbe für den Schutz der natürlichen Vielfalt. Tschechische Umweltverbände haben schon dieses Jahr im Frühling auf die Unvollständigkeit der nationalen Liste der wertvollen Natura 2000-Gebiete hingewiesen und haben in diesem Zusammenhang eine Beschwerde an die Europäische Kommission eingereicht. Der geplante Staustufenbau an der Elbe würde weitere Lebensräume in der Region schädigen. "Der Naturschutz in der Tschechischen Republik muss ernster genommen werden", fordert Jana Vitnerová. „Die grenzüberschreitende wie auch die europäische Zusammenarbeit wollen wir für eine konsequente Durchsetzung der Ziele der europäischen Vereinbarungen für den Schutz der Biodiversität nutzen," schließen Jana Vitnerová und Prof. Dr. Hubert Weiger.
Rückfragen: Iris Brunar, Elbe-Koordinatorin im BUND |
Tel.: 0340 8507978 | mobil: 0178 163 0204
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