17.02.2010 | BUND-Presseinformation
Unhaltbare Versprechen seitens der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost verleiten zu Fehlinvestitionen
Magdeburg: Mit Aussagen über steigende Transportmengen und einer fast ganzjährigen Befahrbarkeit der Elbe für Frachtschiffe täusche die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost die Politik und verleite sie zu Fehlinvestitionen. Dies erklärte heute der Elbe-Experte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ernst Paul Dörfler anlässlich der heutigen Vorstellung der Bauvorhaben an Elbe und Saale durch die Wasserstraßenbehörde ins Magdeburg.
Der geplante Saale - Elbe - Kanal mit derzeit veranschlagten Kosten von rund 100 Millionen Euro, baue auf die behördliche Zusage einer wirtschaftlichen Befahrbarkeit der Elbe zum Transport von Massengütern. Planungsgrundlage für diese Vorhaben sei die Zusicherung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, dass die Elbe ab 2010 nahezu ganzjährig eine Mindesttiefe von 1,60 Meter und eine Tiefe von 2,50 Meter an 180 Tagen haben werde.
„Die Realität ist eine ganz andere“, sagte Dörfler. „Nach den amtlichen Zahlen der Bundesbehörde war die Elbe in den letzten 20 Jahren praktisch nie ganzjährig befahrbar. Durchschnittlich sei mit vier Niedrigwassermonaten mit Tiefen unter 1,60 Meter zu rechnen, in Trockenjahren bis zu sechs Monaten (Siehe Abbildung). Auf Grund der Unplanbarkeit hätten die Unternehmen ihre Gütertransporte bereits weitgehend auf die Schiene verlagert. Den klaren Abwärtstrend der Frachtschifffahrt auf der Elbe bestätige auch die Halbierung der Transportmengen innerhalb der letzten 10 Jahre. Dieser Trend werde durch die zuständige Behörde, die die Daten selbst erfasse, verschwiegen. Stattdessen würde immer wieder mit Taschenspielertricks der Eindruck erweckt, dass die Transportmengen ansteigen würden, erklärte Dörfler.

„Der Elbe fehlt zunehmend das Wasser. Daran können auch die laufenden Baumaßnahmen nichts ändern. Wer unter diesen Bedingungen weiter auf Güterschifffahrt setzt, baut auf Sand. Die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe hat erst jüngst eine Zunahme der Niedrigwasserextreme in den letzten zwei Jahrzehnten konstatiert. Und auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sowie das Umweltbundesamt stellen die Zukunft der Elbschifffahrt wegen steigender Temperaturen und zunehmender Wasserknappheit in Frage“, sagte Iris Brunar, Elbekoordinatorin des BUND.
Der BUND fordert die zuständiger Verkehrspolitiker auf, die Realitäten zu akzeptieren und sich von den Wasserstraßenprojekten an Elbe und Saale endgültig zu verabschieden. Neben drohenden Fehlinvestitionen und Steuergeldverschwendungen stünden auch das 400 Kilometer lange UNESCO-Schutzgebiet „Flusslandschaft Elbe“ sowie das UNESCO-Welterbegebiet „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“ auf dem Spiel.
Rückfragen:
Ernst Paul Dörfler, BUND-Elbeprojekt | Telefon 03 9244 - 290 | mobil 0178 1617800