BUND-Pressemitteilung | 28.10.2008
Planer für Saale-Elbe-Kanal weiter auf dem Weg in die Blamage!
Das Land Sachsen-Anhalt hält nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens weiter am Bau des umstrittenen Saale-Elbe-Kanals fest. Eine Auswertung der vorgelegten amtlichen Prüfungsergebnisse („Landesplanerische Beurteilung“) durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ergab folgende Erkenntnisse:
Kanal länger als geplant
Bei der Trassenführung hat man sich für eine längere, in diesem Verlauf ursprünglich nicht vorgesehene Kanalvariante entschieden. Diese Trasse erzwingt zusätzlich die Verlegung der Landesstraße L 68 und führt zudem direkt in die Elbe bei Barby. Die Gesamtlänge beläuft sich nun auf insgesamt 10 Kilometer.
Kanal teuer als geplant
Nachdem schon während des laufenden Raumordnungsverfahrens das zuständige Wasserstraßenneubauamt Magdeburg die geplanten Kosten von 80 Millionen auf 100 Millionen Euro heraufschraubte, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Der Kanal wird nicht nur länger, er wird durch den anderen Verlauf auch teurer. In den Planungsunterlagen sollte der Kanal noch über Ackerland parallel zur Landesstraße L 68 zwischen Calbe und Barby geführt werden. Die Planer hätten schon vor Jahren sehen können, dass dort kein Platz mehr für einen 60 m breiten Kanal ist. Das in Tornitz ansässige Kiesunternehmen hat fast bis an den Straßenrand abgebaggert und einen 10-12 m tiefen See hinterlassen. Um für den Kanal Platz zu schaffen,müsste die Landesstraße mit allen Leitungen, vom Trinkwasser über Abwasser, Strom und eine Gas-Hochdruckleitung verlegt werden. Diese Zusatzkosten wurden bislang nicht mit einberechnet und die Betroffenen wurden nicht beteiligt.
Späte Einsicht: Ganzjährige Anbindung doch nicht möglich
Das Raumordnungsverfahren hat aber den Wasserstraßenplanern auch neue Einsichten verschafft. Die mit dem Kanalprojekt angestrebte ganzjährig wirtschaftliche Anbindung des Mitteldeutschen Industrieraumes an das Europäische Wasserstraßennetz kann mit dem Kanalbau nun doch nicht erreicht werden, wie schon vom BUND immer wieder betont wurde. Vorgesehen ist nach wie vor der Einsatz von Europaschiffen, die bei 1350 Tonnen Ladung eine Fahrrinnentiefe von 2,80 Metern benötigen. In der vorgelegten landesplanerischen Beurteilung wurde unauffällig eingestanden, dass die erforderlichen Tiefen „nicht ganzjährig“ zur Verfügung stehen.
Wie häufig die Europaschiffe aber fahren oder aber nicht fahren könnten, wurde allerdings nicht verraten. Eine Anfrage des Wasserstraßenneubauamtes an die benachbarte und befreundete Behörde, die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost oder auch ein Blick ins Internet unter http://www.elwis.de/ hätte Gewissheit verschaffen können: In diesem Jahr hätten die besagten Europaschiffe nur bis Mitte Mai fahren können. In der übrigen Zeit fehlten bislang für Massenguttransporte in der Mittelelbe die erforderlichen Wassermengen.
Nun liegt es an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, ob er das Projekt mit 10 Millionen Euro Planungskosten in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise fortsetzen und ein Planfeststellungsverfahren für einen nach wie vor sinnlosen Kanal einleiten will.
Rückfragen
Dr. Ernst Paul Dörfler |
BUND-Elbeprojekt |
Telefon 039 244 - 290 |
Mobil: 0178 - 16 17 800
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