BUND | 09.10.2008
Fünf Jahre nach der Einweihung des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg – gefeiert als Jahrhundertbauwerk – zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Bilanz, die einer Bankrotterklärung für die Wasserstraßenplaner gleichkommt.
Der Verkehr auf der Ost-West-Wasserstraße sollte bis 2010 um 600% Tonnen/Jahr wachsen. Die Prognose, angefertigt 1992 von Planco Consulting Essen, sagte ein Verkehrsaufkommen von 18,3 Millionen Tonnen für 2010 voraus. Daraufhin wurde das sogenannte Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17 – der Ausbau der Wasserstraßenverbindung von Hannover nach Berlin für insgesamt 2,3 Milliarden Euro beschlossen. Allein das „Herzstück“ des Projekts, das Wasserstraßenkreuz Magdeburg schlägt mit 500 Millionen Euro Kosten zu Buche.
Doch Prognose und Wirklichkeit klaffen wie zwei Welten auseinander. Statt 600% Wachstum wurde lediglich eine Steigerung um 10% erreicht – von 3 Millionen Tonnen/a ohne Wasserstraßenkreuz auf konstant 3,3 Millionen Tonnen/a mit Wasserstraßenkreuz – trotz massiv verbesserter Transportbedingungen.
Die Ursachen für die verfehlten Prognosen liegen nach BUND-Analysen klar auf der Hand: Der Transportbedarf per Binnenschiff wurde weit überschätzt. Theoretisch könnten Schiffe mit 1500 Tonnen Ladung von und nach Berlin fahren – unabhängig von Hoch- und Niedrigwasser – praktisch fehlt es an Ladung.
Von den laut Güterverkehrsbericht der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2007 gezählten 8331 Schiffen, die die Trogbrücke nutzten, waren 2045 Leerfahrer – jedes 4. Schiff blieb ohne Ladung. Auch die verbleibenden rund 6200 Schiffe waren nach amtlichen Daten nur zu 57% ausgelastet.
Weil das Prognose-Institut Planco-Consulting Essen selbst nicht mehr an seine Vorhersagen glaubte, auf dessen Grundlagen die Politik den Bau des Projektes beschlossen hat, wurde im Jahr 2000 die Prognose um 80% gesenkt. Allerdings war das Wasserstraßenkreuz dann schon zum großen Teil fertiggestellt.
Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg ist der in Stahl und Beton gegossene Beweis dafür, dass die immer wieder vorgebrachte Behauptung, man müsse nur Wasserstraßen bauen, um den Verkehr aufs Schiff zu verlagern vor allem ein teurer Irrtum ist. Fakt ist: Das Verlagerungspotential Richtung Binnenschiff ist ausgeschöpft.
Der BUND fordert deshalb von den Verkehrspolitikern in Bund und Ländern, auf den weiteren Ausbau der Flüsse, wie Elbe, Saale, Havel, Spree und Oder zu verzichten. Diese Flüsse sind als Lebensräume für Mensch und Natur zu kostbar, um sie zu ungenutzen Wasserstraßen zu verbauen.
Rückfragen:
Dr. Ernst Paul Dörfler | BUND-Elbeprojekt | Fon 039 244 - 290 | Mobil 0178 -16 17 800
Tilmann Heuser | BUND Berlin | Landesgeschäftsführer | Fon 030 - 78 79 0013 | Mobil 0177 - 78 790 13
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