aktualisiert am Mittwoch, 4 Juni, 2008

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BUND – Landesverband Sachsen | Pressemitteilung | 28. Mai 2008

BUND kritisiert illegalen Ausbau der Elbe bei Torgau – Elbvertiefung bedroht europäisch geschützte Arten und schädigt die Auen 

Unter dem Vorwand unverzichtbarer Unterhaltungsmaßnahmen wird am Torgauer Felsen mit Einsatz von Bagger und Unterwasserfräse ganz offensichtlich die Elbe gezielt vertieft, ohne vorher die gesetzlich vorgeschriebene FFH- und Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Quasi in einer Nacht- und Nebelaktion sollen hier vom Wasser- und Schiffahrtsamt an der Öffentlichkeit vorbei Fakten geschaffen werden mit katastrophalen Auswirkungen auf den Lebensraum Fluss und die ihn umgebenden Auen. Dabei gibt es keinen vernünftigen Grund für die laufenden Arbeiten, im Gegenteil. Für den Landesvorsitzenden des BUND Sachsen, Hans-Udo Weiland, stellen sie eine Verschwendung von Steuermitteln dar und verschlimmern die Erosionsprobleme dieses Flussabschnitts. Es ist bekannt, dass die Elbe bei Torgau sich schon um über 2 m erzwungenerweise eingetieft hat. Der jetzt begonnene Abtrag des Felsens wird diesen Prozess noch verstärken. Jeder weitere Zentimeter Vertiefung legt im Frühjahr, Sommer und Herbst die Auen schneller trocken und vernichtet natürliche Lebensräume in Fluss und Aue. Der gesamten Landschaft wird so das immer knapper werdende Wasser entzogen. Auch die Landwirtschaft wird zunehmend unter Wassermangel in den Elbauen leiden – eine unumkehrbare Entwicklung! Der Torgauer Felsen ist eine natürliche Stütze des Wasserspiegels. In dem Maße, wie er abgetragen wird, verfällt der Wasserspiegel weiter.

Weiland vom BUND missbilligt dieses eigenmächtige Vorgehen des Schiffahrtsamtes und fordert die Behörde auf, die gesetzeswidrigen Arbeiten sofort einzustellen, bis Notwendigkeit, Umfang und Rahmenbedingungen der geplanten Maßnahmen unter Beteiligung des BUND und der Öffentlichkeit geprüft und abgestimmt sind.  Außerdem muss diese sinnlose Zerstörung durch bürokratische Ignoranten disziplinarisch geahndet werde.

Hintergund:

Seit dem 15. Mai wird der Torgauer Felsen durch das Wasser- und Schifffahrtsamt abgetragen und damit die Elbe vertieft. Die Elbe bei Torgau liegt in der sogenannten Erosionsstrecke, die von Mühlberg bis Magdeburg reicht. Die Eintiefung des Flusses ist besonders in Trockenzeiten ein großes Problem, da der Elbauenlandschaft das Wasser entzogen wird.  Diese Entwicklung konnte bis heute nicht gestoppt werden, obwohl jährlich Zehntausende Tonnen Kies in den Fluss verbracht wurden.

Ein vergleichbarer Fall wurde in Magdeburg bekannt. Durch das dortige Wasser- und Schifffahrtsamt wurde im Jahre 2006 der Domfelsen ebenfalls mit Frästechnik abgetragen, gleichfalls unter der irreführenden Bezeichnung „Unterhaltung“ und “Wiederherstellung“. Im Ergebnis wurde die Elbe in diesem Abschnitt nachweislich um mindestens 20 Zentimeter vertieft, obwohl während der Baumaßnahmen behauptet wurde, dass es zu keiner Vertiefung komme.

Verantwortlich:
Hans-Udo Weiland
Landesvorsitzender
BUND LV Sachsen e.V.
Fon 034 23 – 60 84 24

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