4.10.2011 | MDR
Bei einer Saale-Konferenz in Halle diskutieren Politiker, Unternehmer und Verbände über die Zukunft des Flusses. Hauptthema sind die Pläne der Bundesregierung, die Saale zu einer sogenannten Restwasserstraße herabzustufen. Das heißt, dass der Fluss nicht mehr für den Gütertransport genutzt werden soll. Geld vom Bund gibt es dann lediglich für den Erhalt oder die Renaturierung der Flusslandschaft.
Befürworter des Ausbaus tagen
Die Teilnehmer der Saale-Konferenz wollen die Auswirkungen der Pläne auf die Region und das Land deutlich machen und Perspektiven aufzeigen. An der Konferenz wird auch das Saale-Bündnis teilnehmen, das Anfang August aus mehreren Interessengruppen gegründet wurde. Das Bündnis will sich vor allem für den Bau des umstrittenen Saale-Kanals stark machen. Der Landrat des Salzlandkreises, Ulrich Gerstner, sagte, man werde sich nicht damit abfinden, dass die Saale in die Bedeutungslosigkeit katapultiert werde. Mit einer Herabstufung würden die bisherigen Investitionen von rund 500 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Laut Halles IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier hatten sich zudem viele Unternehmen, wie Solvay oder Esco aus Bernburg, bei der Standortwahl auf die Ausbau-Pläne der Saale verlassen.
Die Gegenposition nimmt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND ein. Sein Sprecher, Ernst Paul Dörfler, sagte am Dienstag in Halle, die wahren Potenziale der Saale lägen nicht im Wasserstraßenausbau, sondern im naturverträglichen Flusstourismus. Angesichts eines gigantischen Schuldenbergs sei es zudem unvermeidbar, Großprojekte wie den Bau des über 100 Millionen Euro teuren Saalekanals einer seriösen Prüfung zu unterziehen.
Anwohner wollen mehr als Tourismus
Die Menschen in der Saale-Region wollen offenbar mehr, als naturnahen Tourismus. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Landesverkehrsministeriums: Danach sind drei Viertel der Befragten dafür, die Saale auch weiterhin für den Güterverkehr, für Sport und für den Tourismus zu nutzen. Auch eine Mehrheit der Grünen-Wähler vertritt der Umfrage zufolge diese Position.
Verkehrsministerium sagt Elbe-Vertiefung zu
Für weitere Diskussionen dürfte die Zusicherung der Bundesregierung an Tschechien sorgen, die ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe sicher zu stellen. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, hatte bei einem Treffen in Prag Ende September erklärt, dass die Elbe bis zur tschechischen Grenze eine Tiefe von 1,60 Meter erhalten solle. Sie wäre somit an 345 Tagen im Jahr befahrbar. Hintergrund ist der steigende Güterverkehr zwischen der Tschechischen Republik und dem Hamburger Hafen. Im April hatte das Bundesverkehrsministerium in dem vorgestellten Wasserwegenetz die Elbe noch herabgestuft. Sie ist danach – wie die Saale - keine Wasserstraße erster Klasse mehr. |