28.9.2011 | Freie Presse Chemnitz
Verkehrsministerium hofft auf gesicherte Anbindung nach Hamburg - Umweltschützer schlagen Alarm
Prag/Magdeburg (dapd-lsa). Die Elbe soll bis zur tschechischen Grenze eine Fahrrinne von 1,60 Meter Tiefe erhalten und so an 345 Tagen im Jahr befahrbar sein. Das versprach der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, am Dienstag bei einer Konferenz der Elbanlieger-Handelskammern in Prag.
Die Kammerunion Elbe/Oder hatte zuvor von der deutschen Regierung "eine stabile Fahrrinne der mittleren und der Oberelbe bis zur tschechischen Grenze von mindestens 1,60 Meter an 345 Tagen im Jahr" verlangt. Hintergrund für die Forderung ist das zunehmende Frachtaufkommen zwischen dem Hamburger Hafen und Tschechien.
Ferlemann stellte darüber hinaus in Aussicht, dass die Bundesregierung die Klassifizierung der Elbe südlich von Lauenburg als "Nebenwasserstraße" überdenken werde. Diese Klassifizierung habe aber keine besondere Bedeutung, da ohnehin keine nennenswerten Neuinvestititionen geplant seien. Das Verkehrsministerium hatte die deutschen Wasserstraßen im April aus Anlass der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nach ihrem derzeitigen Verkehrsaufkommen eingeteilt und war damit auch im Inland bei den Elbanlieger-Bundesländern auf Unverständnis gestoßen.
Das Verkehrsministerium in Magdeburg begrüßte die Entscheidung. "Wir werten das als Bekenntnis zur Elbe als Verkehrsweg und zur Binnenschifffahrt auch in Ostdeutschland", sagte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU), der auch an der Konferenz in Prag teilnahm. Das Logistikkreuz Magdeburg bekomme eine gesicherte Anbindung zum Überseehafen Hamburg, sagte er.
Auch die Magdeburger Hafen GmbH begrüßte die Pläne. Dies sei besonders für den Containerverkehr wichtig, sagte Geschäftsführer Karl-Heinz Ehrhardt. Schiffe, die Container dreilagig stapelten, kämen unter den Brücken des Mittellandkanals nicht hindurch und bräuchten die Elbe als Verkehrsweg nach Hamburg. Insbesondere der Abschnitt zwischen Hitzacker und Dömitz müsse ausgebaut werden, forderte Ehrhardt. In der Vergangenheit sei die Elbe hier ständig versandet und habe immer wieder ausgebaggert werden müssen, wenn sich ein größerer Schubverband ankündigte.
Der BUND kritisierte die Pläne dagegen scharf. Sollte die Vertiefung wirklich realisiert werden, wäre dies eine gigantische Geldverschwendung und Umweltbeeinträchtigung, sagte BUND-Sprecher Ernst Paul Dörfler. "Der natürliche Fluss Elbe würde endgültig kanalisiert werden." Die Ufer müssten versteinert werden und um eine Tiefe von 1,60 Meter zu erreichen wären langfristig auch Staumauern nötig. "Das würde dazu führen, dass die einmaligen Auenwälder austrocknen würden und Sachsen-Anhalt seinen wertvollsten Naturraum verlieren würde", sagte er.
Auch in Tschechien gibt es seit Jahren Streit über den Elbausbau. Die Wirtschaft fordert eine neue Staustufe bei Decin (Tetschen) wenige Kilometer südlich der Grenze zur Bundesrepublik, stößt damit aber auf heftigen Widerstand bei Umweltschützern. Der tschechische Senator Petr Pakosta erinnerte die Umweltschützer deshalb auf dem Kongress daran, dass "an den Ufern der Elbe nicht nur Käfer und Schmetterlinge, sondern auch Menschen wohnen".
dapd |