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28.06.2011 | Mitteldeutsche Zeitung | VON INES KRAUSE

Endlich, ein Schiff ist angekommen

Halle (Saale)/MZ. Es war, als ob der Berg lange und umständlich gekreißt hätte und anschließend eine winzige Maus ausspuckte: Das Schiff, das am Dienstag im Hafen von Trotha eintraf, war für ein Frachtschiff eher klein. Aber ihm widerfuhr eine Beachtung, als sei es ein riesiger Hochseetrawler. Nicht etwa, weil es eine Gasturbine für ein neues Kraftwerk für eben diesen Stadtteil an Bord hatte. Vielmehr, weil mit seiner Ankunft erstmals seit sechs Jahren überhaupt wieder ein Schiff den Weg in den Hafen von Halle fand. Eines, das eine lange Reise hinter sich hatte. gestartet am Neckar, war es quer durch den Ruhrpott geschippert und über Elbe und Saale am Nachmittag im Hafen eingelaufen.

Das 37 500 Quadratmeter große Areal im Norden der Stadt ist eine 30-Millionen-Investition, die sich einfach nicht mit Leben füllen will und deshalb seit langem als Sorgenkind der Stadtwerke gilt. Inzwischen hat sich auf dem Gelände zwar Gewerbe angesiedelt, außerdem wird Fracht vom Lkw auf die Schiene und umgekehrt verladen, "aber damit werden wir es nicht schaffen, den Schiffsverkehr zu ersetzen", räumte Stadtwerke-Chef Matthias Lux kürzlich ein.

Aus diesem Grund setzt die Hafen-GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, weiterhin auf den Ausbau der Saale an einem kleinen, aber wichtigen Stück rund 80 Kilometer flussabwärts in der Nähe der Mündung zur Elbe. Denn erst dann wäre es möglich, dass die Wasserstraße auch von größeren Schiffen befahren werden kann. Doch wofür? Diese Frage drängt sich auf. "Der Bedarf ist da", sagt Stadtwerke-Sprecher Stefan Böttinger. Dies belegten regelmäßige Anfragen, die das Logistikzentrum des Hafens von Firmen aus ganz Mitteldeutschland erhalte. Von diesen schlagen bereits jetzt etliche ihre Waren im Hafen der Saalestadt um, und zwar vom Lkw auf die Schiene oder umgekehrt. Viele von ihnen seien jedoch an einem Umschlag per Schiff interessiert. Vor allem jene, die Waren vertreiben, die nicht unbedingt schnell beim Adressaten eintreffen müssen. Als Beispiel nannte Böttinger etwa Streusalz, das erst wieder im Winter benötigt wird. "Der Transport solcher Waren wäre über den Wasserweg wesentlich billiger und würde noch dazu die Autobahnen entlasten", sagt Böttinger.

Als Beleg verweist er auf eine Prognose, die der Saaleverein 2008 aufgestellt hat. Diese Vereinigung der Besitzer von Werften und Reedereien hatte eine Befragung von Unternehmen durchgeführt. Demnach könnte nach dem Saale-Ausbau allein die Hafen-GmbH jährlich rund 2,7 Millionen Tonnen Container umschlagen. Davon wäre rund die Hälfte per Schiff möglich.

Ob es so weit kommt, wird nicht zuletzt von den Ergebnissen einer Anhörung abhängen, die am Mittwoch im Bundestag stattfindet und nach der entschieden werden soll, ob die Saale künftig als nicht ausbauwürdige "Restwasserstraße" einzustufen ist, wie es im Bundesverkehrsministerium angedacht ist. Dagegen wollen die Stadtwerke angehen. Deshalb werden am Mittwoch 500 Unterschriften von Mitarbeitern an den Saaleverein übergeben.

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