aktualisiert am Freitag, 1 Juli, 2011

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19.6.2011 | Mitteldeutsche Zeitung
Saale-Kanal

Bitte kein Millionengrab!

Halle (Saale)/MZ. Am 29. Juni könnte der Saale-Kanal Geschichte werden. Dann, wenn der Verkehrsausschuss des Bundestages das Millionenprojekt endgültig zu den Akten legt. Es wäre die richtige Entscheidung.
Man muss gar kein glühender Umweltschützer sein, um das Vorhaben abzulehnen. Es reichen ein Blick auf die Zahlen - und der gesunde Menschenverstand. Seit Jahren schon hat der Hafen Halle kein Schiff mehr gesehen. Da wirkt es nicht überzeugend, wenn Politiker weiter von einem regen Schiffsverkehr träumen, sobald der Engpass vor der Mündung in die Elbe beseitigt ist. Denn auch auf der Elbe ist das Frachtaufkommen hinter den Prognosen zurückgeblieben. Hinzu kommt: Niedrigwasser macht den Binnenschiffern auch dort das Leben schwer. Daher ist die Befürchtung der Ausbaugegner berechtigt, dass nach dem Bau des Kanals der Ausbau der Elbe gefordert werden könnte.

Auch angesichts knapper Kassen ist so ein Projekt nicht vermittelbar. Zumal es nicht bei den veranschlagten 100 Millionen Euro bleiben dürfte. Der City-Tunnel in Leipzig sollte auch "bloß" 572 Millionen kosten. Inzwischen sind es 960 Millionen - und Züge fahren dort noch immer nicht.


Bis zu 150 Millionen Euro Kosten

Halle (Saale)/MZ. Der Saalekanal würde mindestens 100 Millionen Euro kosten, Kritiker erwarten 150 Millionen. Ursprünglich sollte die Engstelle bei Tornitz durch eine Staustufe überbrückt werden. Dagegen wehrten sich Umweltschützer erfolgreich. Als Kompromiss würde der Kanal den weitgehend natürlichen Fluss unberührt lassen.

Die Befürworter verweisen auf wirtschaftliche Effekte. Allein im Raum Bernburg wollen Firmen wie Solvay und Schwenk Zement-Güter im großen Stil verladen. Der Transport per Schiff wäre kostengünstiger als mit Lkw oder Zug. Außerdem könnte die A 14 vom Lkw-Verkehr entlastet werden.

Die Gegner bezweifeln die Wirtschaftlichkeit. Die direkten ökologischen Folgen sind überschaubar, es würde Ackerland berührt. Allerdings bliebe auch mit einem Saalekanal die Elbe problematisch. Europa-Schiffe mit 1 000 Tonnen Ladung können dort gerade im Sommer kaum fahren. Die Elbe führt oft zu wenig Wasser. Ob ein Ausbau hilft, ist umstritten. Umweltschützer sagen, dass die Elbe nicht mehr Wasser führe, nur wenn sie vertieft wird.

 

 

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