aktualisiert am Dienstag, 24 Mai, 2011

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20.05.11 | MZ Kreis Wittenberg | VON JANINE SCHARF

Kaum Transportweg, doch idyllischer Fluss

COSWIG/MZ. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages kämpfen sich durch die Wolkenschicht. Auf der Wörlitzer Seite der Elbe steigen Schwimmer ins kühle Nass und Radtouristen schwingen sich runter von der Fähre auf ihr Fahrrad. Ernst Paul Dörfler strahlt. So stellt er sich den Verkehr auf der Elbe vor. Seine Paddel liegen bereit. Der für das Elbe-Projekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) tätige Dörfler hat zusammen mit Kollegin Iris Brunar zum Saisonauftakt ihrer Reihe "Dialog im Boot" geladen.

Von Coswig aus lassen sie sich zusammen mit MDR-Fernsehdirektorin Martina Wagner und anderen Interessierten bis nach Vockerode treiben. Bereits seit 10 Jahren existiert die Veranstaltungsreihe rund ums Schlauchboot und wurde ins Leben gerufen, um Teilnehmern aus allen Lebensbereichen Informationen über die Elbe zu vermitteln. "Die Elbe ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagt Dörfler zu Beginn und spielt damit auf die jüngsten Diskussionen um den Fluss an. Die Elbe wurde durch das Bundesverkehrsministerium aufgrund der geringen Transportaufkommen als Nebennetz eingeordnet, so der Elbefreund. "Es ist eine unbedeutende Wasserstraße, aber ein großartiger Fluss", sagt Brunar. Endlich habe man das auch auf Bundesebene eingesehen. Doch das Land Sachsen-Anhalt hat noch Probleme mit dieser Einstufung ins Nebennetz, wie die BUND-Experten berichten. Für Dörfler ergeben sich durch die Klassifizierung ganz logisch die Ziele, die er schon seit mehreren Jahrzehnten verfolgt. Zum einen der Erhalt der natürlichen Lebensräume, zum anderen die Entwicklung des naturnahen Tourismus und der ökologische Hochwasserschutz, beispielsweise durch den Deichrückbau.

Kaum ausgesprochen fährt ein Kreuzfahrtschiff die Elbe hinauf Richtung Wittenberg. Die niedrige Wasserhöhe stört den Verkehr nicht. "Die Reisenden verpassen oft die schöne Elblandschaft, weil sie jetzt in den Kabinen sind", meint Dörfler. Und tatsächlich ist kein Mensch an Deck zu sehen. Wagner zeigt sich beeindruckt. Kaum lassen die Bootsfahrer Coswig rechts liegen, herrscht Stille mitten auf der Elbe. Der Kuckuck ruft. "Ich kann kaum glauben, dass man hier niemand sieht", sagt sie. Dörfler lenkt den Blick auf die Sandstrände. Ein Traum für Besucher. Doch bislang sei das touristische Potential kaum erkannt. Viele Besucher kämen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Die kennen so eine Flusslandschaft, mitten in zwei Unesco-Schutzgebieten (Dessau-Wörlitzer Gartenreich und das Biosphärenreservat) kaum, berichtet Dörfler aus seinem Erfahrungsschatz.

Dennoch sieht man die Buhnen und steinigen Ufer auch auf den gut acht Kilometern Richtung Vockerode. Sie dienen der Verengung des Flusses. Die Deckwerke haben inzwischen, wo nur etwa eine Million Tonnen Güter auf der Elbe transportiert werden, kaum noch Nutzen. Der Pirol hält ein Zwischenspiel. "Den Transport auf der Elbe kann man wegen der schwankenden Wassermenge kaum planen", erklärt Dörfler die Zahlen, die ihn und seine Bestrebungen zu bestätigen scheinen. "Ich bin gespannt auf die Zukunft", sagt er. Kaum ausgesprochen, schwappt der Lärm der Autobahn ins Boot. Die Dialogtour mit neu gewonnen Elbefreunden endet; doch vielleicht war es eher ein Monolog über die Landschaft mit ihren 1 050 Pflanzenarten und 10 000 Tierarten.

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