23.07.2010 | Märkische Allgemeine
Elbe-Radtour von Grünen-Politikern
führte auch nach Lenzen und Wittenberge
LENZEN/WITTENBERGE - An Besichtigungsorten und „grünen Themen“ mangelt es nicht bei der Elbe-Tour von Abgeordneten der Grünen aus Bundestag, Europaparlament und Landtagen in dieser Woche. „Die Elbe braucht eine moderne Flusspolitik; ihre Zukunft liegt darin, eine einzigartige Landschaft zu erhalten und nachhaltig zu nutzen, statt die Elbe endgültig kaputt zu bauen“, so lautet das Credo der Tour, die am Montag an der Fischtreppe in Geesthacht bei Hamburg begann und morgen an der Elbfähre im anhaltinischen Steutz endet.
Auf allen Etappen dabei war Dorothea Steiner, Sprecherin für Umweltpolitik der grünen Bundestagsfraktion. Von Hitzacker nach Lenzen am Mittwoch traten unter anderem auch Fraktionschef Jürgen Trittin sowie die Europaabgeordnete Rebecca Harms in die Pedale. Auf der Burg und vor Ort an der Elbe ließen sie sich das große Naturschutzprojekt Deichrückverlegung am Bösen Ort erläutern. Projektleiter Eckart Krüger erinnerte daran, dass Jürgen Trittin das 2005 begonnene Projekt noch in seiner Zeit als Bundesumweltminister (1998 bis 2005) auf den Weg brachte. Trittins Antwort: „Das war nur in der Erfahrung der Hochwasser-Katastrophe 2002 möglich. Hier ist mit Mitteln des Naturschutzes an einer einzigen Stelle etwas Beispielhaftes entstanden. Die Elbe braucht mehr Raum. Es wurden damals insgesamt 33 Orte lokalisiert, an denen gehandelt werden müsste. Doch zum einen fehlt Geld, zum anderen ist die Akzeptanz für solche Maßnahmen nicht überall so groß wie in der Prignitz.“ Das Projekt sei „eine konkrete Entspannung der Hochwassergefahr“ und deshalb „mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“.
Der geplante Bau der Autobahn 14 und der Hafenausbau in Wittenberge waren die Hauptthemen der Gespräche, die Umweltsprecherin Dorothea Steiner und die anderen Radler unter anderem mit Bärbel Treutler, Kreistagsabgeordnete der Grünen und BUND-Aktivistin, Susanne Bohlander von der Bürgerinitiative „Keine A 14“ aus Losenrade (Altmark) und Iris Brunar (BUND) aus Essen führte. Der Autobahnbau werde von den Grünen nicht nur aus umweltpolitischen Gründen abgelehnt, betonte sie, sondern auch, weil er verkehrspolitisch nicht notwendig und finanziell unkalkulierbar sei. So soll die A 14 statt der ursprünglich geplanten 780 Millionen Euro inzwischen rund 1,5 Milliarden kosten, und ein Ende der Preisexplosion sei nicht absehbar. Steiner: „Mit einem Bruchteil des Geldes könnte man für die betroffenen Regionen viel mehr erreichen.“ Als Beispiel für alternative Investitionen nannte sie Ortsumgehungen der Bundesstraße 189. Mehr Marketing für den Natur- und Umwelttourismus wäre notwendig und die stärkere Vernetzung der Angebote. Dies bringe mehr Geld für Handel und Gewerbe in die Prignitz und mehr Arbeitsplätze als die Utopie von Industrieansiedlungen durch die Autobahnanbindung.
Ähnlich ist ihre Haltung zum Hafenausbau in Wittenberge. „Der Hafen ist ein Luftschloss, eine Fehlinvestition. Wo sind denn hier die großen Betriebe, die massenhaft Güter verschicken oder empfangen sollen?“ Mitradler Ernst Paul Dörfler, Umweltschützer und Buchautor, ergänzte Steiners Ausführungen mit Fakten zur Wassertiefe der Elbe. „Durchschnittlich vier bis fünf Monate im Jahr lässt die Elbe keine Güterschifffahrt zu. Beim Hafenprojekt geht es nur darum, Hoffnungen zu schüren – umso schlimmer wird dann der Katzenjammer sein, wenn der erwartete Erfolg nicht kommt und man zuzahlen muss, wie es jetzt schon alle Hafenstädte tun müssen.“ Steiner abschließend: „Die Wittenberger müssen sich endlich entscheiden. Elbeausbau für die Schifffahrt und Naturtourismus im Unesco-Biosphärenreservat konterkarieren sich.“ (Von Ulrich Fischer) |
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