aktualisiert am Donnerstag, 29 Juli, 2010

Aktuell Medien-Echo

Hintergrund

Archiv Links Kontakt

22.7.2010 | Landeszeitung Lüneburg

Jürgen Trittin plädiert für Stärkung des Elbeseitenkanals –
Mittelelbe sollte stattdessen touristisch genutzt werden

Grüne radeln gegen den Flussausbau

dth Hitzacker. Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen im Deutschen Bundestag, spricht sich gegen einen Ausbau der Mittelelbe aus. "Die Elbe ist für den Güterverkehr nicht geeignet. Das Bisschen kann man auch über den Elbeseitenkanal abwickeln", sagte der 55-Jährige bei der Elbe-Tour der Grünen gestern in Hitzacker. Damit stützt er die Position des Umweltschützers und Elbe-Experten Ernst-Paul Dörfler, der seit Jahren eindringlich fordert, "die Elbe als letzten frei fließenden Fluss Mitteleuropas" mit seiner Naturnähe zu erhalten und für den Tourismus zu nutzen.

Grüne Radtour gegen Elbeausbau mit Jürgen Trittin

Der "Elbe-Papst" Dr. Ernst-Paul Dörfler (M.) weiß mit den Grünen auch den Bundespolitiker Jürgen Trittin (3.v.l.) an seiner Seite. Gemeinsam mit Vertretern von Partei und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland radelten sie gestern entlang der Elbe von Hitzacker nach Dömitz, um für die touristische Nutzung des Flussgebietes zu werben. Foto: dth

Beim Pressegespräch in Schillers Gästehaus in Hitzacker stellten Dörfler und Trittin ihre Positionen dar, unterstützt von MdB Dorothea Steiner, Umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, flankiert von der Europa-Abgeordneten Rebecca Harms und Anja Piel, Chefin der niedersächsischen Grünen. Ihre Elbe-Tour hatten die Grünen bereits am Montag in Geesthacht und Bleckede begonnen. Zuletzt hatten sie bei Hitzacker den Untergrund der Elbe via Echolot von Bord eines alten Feuerwehrbootes aus untersucht. Skipper Klaus Lehmann sagte: "Die Elbe ist stellenweise mal nur 50 Zentimeter tief und mal fünf Meter. Das sieht aus wie eine sandige Dünenlandschaft unter Wasser."

Dörfler sagte zur weiteren Elbe-Tour mit dem Rad: "Wir radeln gegen Elbeausbau und Elbvertiefung." Bei der Elbvertiefung geht es darum, die Fahrrinne des Flusses von Hamburg bis zur Nordsee künftig für Schiffe mit 14,5 Metern Tiefgang auszubauen. Der umstrittene Elbeausbau hingegen bezieht sich auf die Mittelelbe, von Magdeburg bis Lauenburg und Geesthacht. Staatssekretär Enak Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium betont hingegen regelmäßig, dass es sich bei den geplanten Maßnahmen, um eine Fahrrinnentiefe von 1,6 Meter für Binnenschiffe zu erreichen, nicht um einen Ausbau handelte, sondern um Unterhaltungsmaßnahmen. Dörfler widerspricht: "Die Buhnen, die bereits wiederhergestellt wurden, sind größer dimensioniert, verengen den Fluss und bewirken eine schnellere Fließgeschwindigkeit." Es handelte sich um einen verdeckten Ausbau, der den Zielen des Hochwasserschutzes entgegen laufe.

Jürgen Trittin sagte: "Wenn man bei den Zahlen für den Binnenschifffahrtsverkehr in Deutschland genau hinguckt, sieht man, dass 80 Prozent des Verkehrs auf dem Rhein stattfinden und nur 0,5 Prozent auf der Elbe." Und: "Da gibt es ökonomisch nichts abzuwägen", so Trittin. Die Mittelelbe als Trasse für den Güterverkehr sei zugunsten des Elbeseitenkanals verzichtbar. Man sollte der Elbe stattdessen mehr Platz einräumen, Rückdeichungsprojekte ähnlich wie in Lenzen verfolgen und den Elberaum touristisch nutzen. Hoffen könnten die Umweltschützer laut Trittin auf ein Scheitern des Ausbaus durch Geldmangel im Verkehrsministerium: "Der Bundesverkehrswegeplan ist insgesamt um 15 Prozent überzeichnet." Und alleine für Wasserstraßen seien Projekte mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro angemeldet worden. Das Budget betrage laut Trittin allerdings nur eine halbe Milliarde.

…zur Übersicht

…zur Übersicht

impressum