24.03.2010 | Märkische Allgemeine Zeitung | Claudia Bihler
VERKEHR: Hafenausbau auf dem Prüfstand
PRITZWALK - Im Wittenberger Hafen wird bereits an der Erweiterung gebaut. Nun aber nimmt der Bundesrechnungshof nicht nur die Ausbaupläne für den Wittenberger und den Mühlberger Binnenhafen unter die Lupe, sondern prüft sogar die Wirtschaftlichkeit des gesamten Elbeausbaus, der den größten deutschen Fluss, der noch ungezügelt fließen darf, auf eine ganzjährige Wassertiefe von 1,60 Metern bringen soll.
Angeregt hatte diese Prüfung der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Stephan Kühn: „Der Bundesrechnungshof ist wegen diverser Prüfungen rund um die deutschen Wasser- und Schifffahrtsämter ohnehin sensibilisiert, und hat das Thema Elbe als geeigneten Prüfgegenstand betrachtet.“
Die Kritik des Abgeordneten: Mit dem Ausbau der Häfen werde der zweite Schritt vor dem ersten getan. Bereits heute würden Elbehäfen wie der bei Halle für die vorgesehenen Containertransporte nicht genutzt und der Hafenhinterlandverkehr, der aus Richtung Hamburg nach Süden fließe, wäre mit 0,9 Millionen Tonnen so gering, dass auch die Eisenbahn ihn aufnehmen könne. Ein wirtschaftlich zweifelhafter Ausbau würde zudem die Auenlandschaft entlang Elbe zerstören.
Bei seiner Kritik beruft sich Stephan Kühn unter anderem auf ein Gutachten, das der Universitätsprofessor Martin Zabel erstellt hat. Der nämlich zieht in Zweifel, dass der angekündigte Ausbau der Elbe auf 1,60 Meter überhaupt ausreichend ist, um sie für mehrlagige Containerschiffe ganzjährig schiffbar zu machen. Dies würde erst ein Ausbau von deutlich über zwei Meter gewährleisten – die Veränderungen des Klimawandels würden zudem eher weniger als mehr Wasser in die Elbe bringen.
„Mit den Grünen hab ich nichts am Hut“, sagt Olaf Peglau entschieden. Dem Elbeausbau steht er dennoch zumindest skeptisch gegenüber. Seit 1996 ist der Binnenschiffer unterwegs mit seinem Europaschiff, 85 Meter lang, neun Meter breit: Und davon nur einen geringen Zeitanteil auf der Elbe, denn die führt in der Regel zu wenig Wasser: „Nur wenige Wochen im Frühjahr und im Herbst hab ich genug Wasser unterm Kiel, um problemlos den Fluss befahren zu können.“ An manchen Stellen, vor allem auf den Strecken kurz vor Geesthacht habe die Elbe mitunter nur 90 Zentimeter Wassertiefe: „Da geht dann gar nichts mehr.“ Und auch zu Hochwasserzeiten bestehe auf der Elbe Lotsenpflicht, so richtig tief ist die Fahrrinne an vielen Stellen nie. Stattdessen schippert er mit seiner Fracht, zumeist Schüttgut wie Gerste, über den Elbe-Seitenkanal.
Aus der Praxis bestätigt Peglau das Gutachten des Professors: „Mit einer Wassertiefe von 1,60 Metern könnte ich kaum etwas anfangen.“ Maximal eine Lage Container könnte auf einem normalen Motorschiff da transportiert werden: 700 oder 800 Tonnen, je nach Inhalten der Container. „Und selbst da hätte ich schon einen Tiefgang von 1,70 Metern, nicht mitgerechnet die 30 Zentimeter Freiraum, die ich mindestens unter dem Schiff zum Boden haben muss.“ Als Schiffer kennt er auch die Häfen, in denen längst nicht genug Ladung ankommt. Wie etwa Aken, der trotz Anbindung an Elbeseitenkanal und Elbe nicht ausgelastet ist. „Als Schiffer bin ich für den Elbeausbau“, sagt er, „als Prignitzer habe ich Respekt vor den unmittelbaren Anwohnern. Ein Ausbau würde diverse Staustufen nötig machen, die den Wasserpegel der Elbe erhöhen und die angrenzenden Gebiete überfluten würden.“
Im Haushaltsausschuss des Bundestages äußerte keine Fraktion Einwände gegen eine Prüfung des Rechnungshofes. Der wurde nun um schnelle Prüfung gebeten. Kühn: „Ich hätte mir gewünscht, dass der Verkehrsminister nicht durch den Bau der Elbehäfen vorher schon Tatsachen schaffen würde.“ |