07.06.2010 | 22.15 Uhr | „OZON unterwegs“
Naturpracht und Badespaß
Was gibt es Schöneres, als an der Elbe entlang zu radeln, vorbei am grünen Vorhang der Auwälder. Am weißen Sandstrand auszuruhen und auch mal ins Elbwasser abzutauchen. Jahrzehntelang war das undenkbar, der Strom zur Kloake verkommen. Und: als deutsch-deutscher Grenzfluss blieb die Elbe einfach liegen, während anderswo weiter kanalisiert wurde. Diesem Entwicklungsstopp verdankt sie heute ihre Schönheit: Schutzgebiete von europäischem Rang und Weltkulturerbe.
Geschichte der Zähmung
Gezähmt wurde die wilde Elbe seit dem Mittelalter. Um die Menschen an ihren Ufern vor Hochwasser zu schützen, um ihr Land abzuringen für Ackerbau und Viehzucht. Und vor allem: um Güter auf ihr zu transportieren. Deiche und Buhnen zwängten den sandigen Fluss ins immer engere Korsett. Der 2. Weltkrieg stoppte den Ausbau. Der DDR fehlte das Geld, billiger waren neue flach gehende Schiffe. Denn ein Problem hatte die Elbeschifffahrt schon immer: die Dynamik des Flusses, oft monatelanges Niegrigwasser.
Die Tücke der Buhnen
7000 Buhnen sollen die Elbe in die richtigen Bahnen lenken. Sie instand zu halten, kostet Millionen. Sie engen den Fluss ein und heben damit den Wasserstand, sonst könnten große Schiffe auf dem flachen Fluss kaum fahren. 1,60 Meter Mindestwassertiefe sollen mit ihrer Hilfe gesichert werden. Doch die Buhnen sind längst auch zur Bürde geworden. Sie vertiefen das Flussbett stellenweise so sehr, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Gefahr droht nicht nur für die wertvollen Auen.
Naturschützer laufen gegen die Buhnen Sturm.
(K)ein Schiff wird kommen
Der Ruf nach der Elbe wird wieder lauter. Der Hamburger Hafen platzt aus den Nähten, die Waren aus Übersee müssen ins Binnenland. Ein LKW ist zwar fünfmal schneller als ein Containerverband, der aber kann hundertmal mehr transportieren. OZON war bis Magdeburg mit an Bord. Dort ist der Hafen längst nicht ausgelastet. Die Elbschifffahrt hat seit Jahren Flaute, zu unsicher ist das Geschäft, der Fluss oft über lange Zeit zu flach. Ein Brandenburger Binnenschiffer erzählt über seine Erfahrungen mit der Elbe.
Lösung in Sicht?
Eine Mindest-Tiefe ist für Schiffe nötig, doch zuviel Tiefe schadet. So wird Sand in den Fluss gekippt, bis zu 100-tausend Tonnen jährlich. Ein Konzept ist erarbeitet zur „Sohlstabilisierung“. Über Jahre war geforscht worden, was dem Fluss gut tut – und vielleicht sogar den Streit zwischen Wasserbau und Naturschutz entschärft. Inzwischen bekommt manch Buhne eine Kerbe, massive Flussbauwerke werden durchlöchert, anderswo Steine vom Ufer genommen, damit Tiere und Pflanzen wieder Lebensraum finden. Sind Ökologie und Schifffahrt etwa doch vereinbar? |