Volksstimme Magdeburg | 30.11.2008 | von Caroline Vongries
Mit Fackeln im Dunkeln die Elbe hinabgeschwommen
Magdeburg / Schönebeck. Rund 12 000 Umweltfreunde haben am Sonnabend zwischen dem sächsischen Bad Schandau und Cuxhaven an 42 Standorten für den Schutz der Elbe und gegen den weiteren Ausbau " dieses einzigen großen noch frei ießenden Flusses in Europa " demonstriert. In Sachsen-Anhalt entzündeten 2300 Menschen in zwölf Städten nach Einbruch der Dunkelheit Fackeln und bildeten Lichterketten entlang der Elbe. Aufgerufen hatten bundesweit der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, das Regionale Bündnis gegen die Elbvertiefung sowie weitere Initiativen und Kirchenvertreter. In Sachsen-Anhalt beteiligten sich u. a. in Magdeburg, Schönebeck und Stendal auch mehrere Landtagsabgeordnete.
In Schönebeck wurde die Aktion von neun Elbschwimmern unterstützt, die mit brennenden Fackeln in die drei Grad kalten Fluten stiegen und mehrere hundert Meter ussabwärts schwammen. Die 300 Teilnehmer des Fackelzuges applaudierten dazu von der Elbbrücke aus. In Barby und Aken setzten Umweltschützer mit der Fähre über und trafen sich mit Umweltschützern aus Ronney und Zerbst.
Die Proteste richten sich in Sachsen-Anhalt auch gegen den von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre geplanten Bau des Saalekanals zwischen Calbe und Barby ( Salzlandkreis ). Ernst-Paul Dörfler vom BUND bezeichnete die Pläne am Sonnabend erneut als "unsinnig". "Die Elbe führt seit mehreren Jahren Niedrigwasser, dort werden nie Europaschiffe fahren", so Dörfler. Den Politikern müsse dringend ein Licht aufgehen. Die vorliegenden Zahlen müssten dringend überprüft werden. In den Ausbau des Saalekanals sollen zwischen 80 und 100 Millionen Euro ießen, das Ausbaggern der Elbe bei Cuxhaven soll 600 Millionen Euro kosten. Nach Auskunft der Umweltschützer könnte die Bundesregierung zwei Milliarden Euro sparen, wenn fragwürdige Flussausbauprojekte gestoppt würden.
Bundes- und Landesregierung, Vertreter der Binnenschifffahrt und das Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg hingegen sehen im Bau des Saalekanal eine wirtschaftliche Stärkung der gesamten Region. Zudem könnten stark anwachsende Verkehrsströme mithilfe des umweltfreundlichen Transportmittels Schiff bewältigt werden. Der Streit um den Saalekanal wird seit mehreren Jahren erbittert geführt. Dabei werden von Gegnern und Befürwortern jeweils Gutachten ins Feld geführt, die zu gegensätzlichen Aussagen kommen. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig hat zuletzt empfohlen, die Rentabilität neu zu berechnen.
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