Mitteldeutsche Zeitung Wittenberg | 30.11.2008 | von Ina Otto
WITTENBERG/COSWIG/MZ. Wie ein großes Reptil schlängelten sich die Flammen am Coswiger Elbufer entlang. Doch keine Gefahr, sondern ein Symbol der Einheit stellten die "Fackeln für die Elbe" dar. Mehr als 120 Naturfreunde hatten sich am Sonnabend zu der Aktion in Coswig eingefunden, um gegen einen weiteren Elbeausbau und die künstliche Vertiefung des Flusses zu demonstrieren. Die herzlichen Worte von Mitorganisator Harald Köbel, ein Würstchenstand und wärmespendende Feuerkörbe ließen am Elbufer eine familiäre Atmosphäre aufkommen.
Die genoss auch der Coswiger Andreas Koch, der mit seiner zwölfjährigen Tochter Paula an das Elbufer gekommen war. "Wir wollen, dass die Elbe so bleibt, wie sie ist. Einen Ausbau halten wir für unwirtschaftlich", erzählt er, was ihn zum Mitmachen bewegte.
Ein Cobbelsdorfer blickte sich mit einer Fackel in der Hand um: "Das ist hier eine nette Truppe" sagte er und erzählte von seiner Verbundenheit zur Stadt Coswig, die unter anderem auch durch die zahlreichen Freizeitaktivitäten an der Elbe zustande gekommen sei. Die zehnjährige Michaela und ihre Freundin Nina hatten ebenfalls in den Fackelkorb gegriffen und ein Licht gegen den Elbeausbau angezündet. "Weil ich selbst in der Elbe mitschwimme und möchte, dass sie so schön bleibt", erklärte Michaela.
"Wir haben vor der Haustür einen Schatz, den es zu bewahren gilt", appellierte Claus-Rainer Wolter von der Bürgerinitiative Pro Elbe an die Anwesenden. Man dürfe den Fluss nicht zu einem Kanal "verkommen" lassen.
Zur gleichen Zeit hatten auch in Wittenberg rund 65 Teilnehmer an der Elbbrücke Fackeln angezündet. "Das war nicht ganz so romantisch wie in Coswig", sagte der Verkehrsexperte vom Umweltbundesamt, Christoph Erdmenger. Aber darauf kam es auch gar nicht an. Er begrüßte das Umweltengagement der Wittenberger. Es sei wichtig, in solchen Aktionen "die Verbundenheit mit dem naturnahen Fluss zum Ausdruck zu bringen", so der Experte gegenüber der MZ. In seinem Redebeitrag wies Erdmenger auf die Hauptprobleme der Elbe hin. Zum Beispiel darauf, dass die Elbeschifffahrt eine immer geringere Rolle für die Wirtschaft in der Region spiele. So würden schätzungsweise nur 0,2 Prozent der Gütertransporte im Einzugsgebiet des Flusses tatsächlich über die Elbe abgewickelt.
Friedbert Morgner, Kreisvorsitzender der Grünen und Mitorganisator der Wittenberger Aktion, zeigte sich zufrieden mit der Resonanz in Wittenberg, wenngleich er ein wenig neidvoll auf den Zuspruch der Coswiger schaute. "Dort lebt man aber noch näher an der Elbe", vermutete er die tiefere Verbundenheit zum Fluss in der Nachbarstadt, freute sich aber über das parteiübergreifende Interesse an der Aktion. So habe er in Wittenberg auch CDU-Vertreter unter den Teilnehmern ausmachen können.
Von Bad Schandau bis Cuxhaven beteiligten sich insgesamt 42 Orte entlang des Flusses an der Aktion. Laut dem BUND-Elbeexperten Ernst Paul Dörfler waren bundesweit rund 12 000 Menschen auf den Beinen.
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