aktualisiert am Mittwoch, 3 Dezember, 2008

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Mitteldeutsche Zeitung Dessau | 30.11.2008 | von Thomas Steinberg

Fackeln für die Elbe:
Umweltaktivisten sammeln rund 150 Bürger um sich

Der Berg der Fackeln schmolz bei großer Nachfrage recht schnell zusammen.

DESSAU/MZ. Rund 150 Leute haben am frühen Samstagabend am Dessauer Kornhaus gegen den Ausbau der Elbe demonstriert. Die Aktion in Dessau war Teil eines bundesweiten Protestes, der nicht nur von den großen Umweltverbänden BUND, NABU und WWF getragen wurde, sondern von 100 Organisationen und Initiativen, darunter Kirchen und lokale Bündnisse. In 41 Städten entlang des Flusses trafen sich Menschen unter dem Motto "Fackeln für die Elbe". In Sachsen-Anhalt beteiligten sich acht Städte. Man sei in Dessau Teil einer einer Lichterkette, sagte Ines Brunar von der Bürgerinitiative Pro Elbe vor den Demonstranten. Man wehre sich gegen die geplante Vertiefung der Elbe und die allmähliche - so wörtlich - Verhärtung deren Ufer.

Mit den laufenden Baumaßnahmen, so Brunar, werde das von Bau- und Verkehrsministerium verkündete Ziel einer durchgängigen Tauchtiefe von 1,60 Meter nicht erreicht. 2008 sei in dieser Hinsicht ein typisches Elbe-Jahr gewesen - über Monate hinweg gab es keine nennenswerte Schifffahrt. Um diese geht es nach Ansicht von Brunar auch gar nicht: "Es geht ums Bauen." Von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee verlangte sie, die Baumaßnahmen zu stoppen.

Steffi Lemke, Politische Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Grüne, erinnerte daran, dass dies bereits die zweite bundesweite Protestaktion in diesem Jahr an der Elbe gewesen sei – und es nicht die letzte bleiben werde, sofern die Arbeiten in kommenden Frühjahr nicht eingestellt würden. Der derzeit betriebene Elbausbau sei Geldverschwendung. Sie wolle nicht, dass nach zwei Systemabstürzen, dem des Klimas und dem der Finanzwirtschaft, ein weiterer in der Region hinzukomme: der des Flusssystems Elbe.

Es geschehe nicht allzu häufig, dass Grüne und FDP in einem Boot säßen, meinte der liberale Bundestagsabgeordnete Jens Ackermann. Doch wenn es um Freiheit gehe, sei die FDP dabei - Ackermann ist Mitglied der Parlamentariergruppe "Frei fließende Flüsse". Der Güterverkehr müsse von der Straße auf die Schiene verlegt werden, wobei er eine Nutzung der Elbe als Transportweg nicht ausschließen wollte – wenn sich denn die Schiffe dem Fluss anpassten und nicht umgekehrt der Fluss den Schiffen.

In der Bringschuld sah Dietrich Bungeroth, Pfarrer an der Auferstehungsgemeinde, die Bundesregierung. Seit zwölf Jahren verspreche sie ein Gesamtkonzept für die Elbe und habe das bis heute nicht geliefert. Am Mittwoch würden Kirchenvertreter unter Leitung von Kirchenpräsident Helge Klassohn über dieses Thema im Bundeskanzleramt sprechen. Pfarrer Bungeroth forderte die Wirtschaft auf, den Elbausbau und den Elbe-Saale-Kanal doch selbst zu finanzieren, wenn sie glaube, dass dies eine ökonomisch sinnvolles Unterfangen sei. Die Dessauer bat er, genau den Fortgang der Arbeiten zu beobachten.
Die Teilnehmer der Aktion zogen schließlich vom Kornhaus zum wenige hundert Meter entfernten Anleger, dabei mit ihren Fackeln ein Zeichens setzend und als Teil einer Lichterkette, die ihre unmittelbare Fortsetzung in Steutz und in Coswig fand.

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