Volksstimme | 02.10.2008 | Leserbriefe
Zu „Wirtschaftsforum Elbe 2010 in Aken / IHK: Mehr Containertransport auf der Elbe / BUND: Ganzjährig Bahn bessere Alternative", Volksstimme vom 18. September
Die Verlautbarung der IHK „Elbe und Saale mit großem Potenzial für mehr Containertransporte" reißt Gräben auf in einer Problematik, die im allseitigen Interesse mit großer Sorgfalt und mit bestem Wissen um Gewinn und Verlust für die kommenden Generationen zu lösen ist. Es spricht nicht für ein reifes Demokratieverständnis, wenn Partner eines so schwerwiegenden Prozesses Ministerschelte attestiert wird.
Unter den gescholtenen „Blockierern der Elbe" befinden sich zahlreiche Personen, die bereits vor, zum und nach dem Kirchentagskongress in Dessau 1981 für die Entgiftung der Fließgewässer Elbe, Mulde und Saale eingetreten sind und bereits damals dafür gescholten wurden. Erst die Wende brachte Veränderungen. Es kam zur Erholung und Wiederbelebung der Flüsse, als die ungeklärten Einleitungen aus Haushalten und Industrie gestoppt wurden.
Sollte ich mich irren, dass die Vertreter von Verkehr und Wirtschaft die Erfahrungen von etwa 30 Jahren bewussten Umgangs mit unseren Flüssen ignorieren? Verkehrsminister Daehre hat mein volles Ja, wenn er erklärt„... die Umwelt angesichts des wachsenden Transportaufkommens zu schonen". Wenn er jedoch wie der Präsident der Industrie- und Handelskammer die Flüsse zu leistungsstarken Wasserstraßen ertüchtigen will, wird hier gegen das erklärte Ziel „Schonung der Umwelt" und des wirtschaftlichen Güterverkehrs votiert. Die Bahn schafft es umweltfreundlicher und durch ihr vorhandenes Schienennetz billiger. Das 3. Elbesymposium der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 25. Oktober 2009 im Kornhaus Dessau-Roßlau bietet die Chance, sich erneut über Vorschläge zu einem „Gesamtkonzept Elbe" zu informieren und zu verständigen.
Es wäre eine nicht zu überbietende Torheit, die Lebensader der sensiblen Auenlandschaft „Mittlere Elbe" mit ihren Reservaten und dem Weltkulturerbe des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches durch Flussvertiefungen oder Staustufen dauerhaft zu zerstören.
Wer sich dem mühsamen Lernprozess für den Erhalt einer gesunden Elbe entzieht und dennoch mit großen Aufwendungen aus dem Volksvermögen plant und gegen die Natur baut, der arbeitet nicht für die Umwelt und nicht für eine gesunde Wirtschaft. Es wird schwer sein, Menschen, die so oder ähnlich denken, mit einem Entweder-Oder zu überzeugen. Es besteht deshalb noch viel Gesprächsbedarf. Lasst uns aufeinander zugehen, bevor die Elbe weiter gesteinigt wird.
Peter Rauch, Pfarrer i.R., 06844 Dessau
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