Experten des Umweltverbandes melden Tiefstand der Schifffahrt
WITTENBERGE/MAGDEBURG - Für unrealistisch, zu teuer und ökologisch gefährlich hält der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Pläne zur Ertüchtigung der Elbe für eine ganzjährige Schiffbarkeit. Wie Professor Volker Lüderitz, Vorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt, und Ernst-Paul Dörfler vom BUND-Elbeprojekt mitteilen, befinde sich die Elbschifffahrt derzeit auf einem Tiefstand. Demnach seien im vergangenen Jahr auf der Elbe (Messstelle Magdeburg) nur noch 0,9 Millionen Tonnen Güter transportiert worden. Das ist laut Güterverkehrsbericht der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost der niedrigste Stand nach 2004, als 0,8 Millionen Tonnen Güter auf der Elbe bei Magdeburg transportiert wurden. Der Verband teile die Einschätzung des Bundesumweltamtes, heißt es in der BUND-Mitteilung weiter, nach der die Folgen des Klimawandels ein weiteres Absinken des Elbwasserstandes befürchten lassen.
Tatsächlich heißt es in einem Hintergrundpapier des Bundesumweltamtes: „Somit stellt sich die Frage, ob in Zukunft – unter den Bedingungen des Klimawandels – eine Schifffahrt auf der Elbe überhaupt aufrecht erhalten bleiben kann. Die Investitionen in den Wasserstraßenausbau müssten steigen, wobei die Folgen für die Umwelt, zum Beispiel für die Auwaldgebiete im Biosphärenreservat Mittlere Elbe, gravierend wären.“ In der selben Studie empfehlen deren Autoren, nach Alternativen zu suchen. Das wären zum Beispiel „flexible Transportketten, die einen Schwerpunkt im Schienenverkehr haben und den Schiffsverkehr nur als zusätzliche Option auf ausgewählten Strecken betrachten, oder flussangepasste Schiffe mit geringerem Tiefgang“, heißt es beim Bundesumweltamt.
BUND-Landeschef Lüderitz sieht seine Position bestätigt: „Die Elbe wird immer weniger als Wasserstraße genutzt. Obwohl Jahr für Jahr 40 Millionen Euro allein für die Erhaltung und Verwaltung der Wasserstraße Elbe ausgegeben werden, um laut amtlichen Prognosen eine Transport-Steigerung um 400 Prozent bis 2015 zu erreichen, geht der Trend in die andere Richtung. Der Güterverkehr sinkt stetig, obwohl jede transportierte Tonne rechnerisch mit 40 Euro subventioniert wird. Wenn selbst in einem relativ wasserreichen Jahr wie 2007 nicht einmal eine Million Tonnen Güter transportiert wurden, muss die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Wasserstraße Elbe auf den Prüfstand des Bundesrechnungshofes.“
Das Stadtentwicklungskonzept Wittenberges fußt erheblich auf der Annahme, die Elbe sei künftig ganzjährig schiffbar. (Von Andreas König)