aktualisiert am Freitag, 8 August, 2008

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LVZ Leipziger-Volkszeitung, Torgauer Zeitung | 13.06.2008

1. Elbe-Kirchentag in Coswig mit über 800 Besuchern

Hoffnung und Kraft für den Schutz der Elbe

Coswig/Landkreis (TZ). Am 7. Juni fand in Coswig (Anhalt) ein Elbe-Kirchentag unter dem
Motto "Ein Fluss verbindet" statt. Es war das erste Treffen der Elbgemeinden von Tschechien bis zur Nordsee. Auf dem ehemaligen Klosterhof an der Kirche St. Nicolai warben zahlreiche Vereine und Interessengruppen an ihren Ständen für den Erhalt des natürlichen Verlaufs der Elbe und ihrer einmaligen Auenlandschaft. Unter den etwa 800 Teilnehmern befanden sich auch Vertreter des BUND aus Dresden und Torgau.

der Zusammenkunft bildete das Diskussionsforum zur Zukunft der Elbe in der
Kirche St. Nikolai unter der Moderation von dem Direktor der Evangelischen Akademie
Stephan Dorgerloh. Prominente Vertreter wie Bundesverkehrsminister W. Tiefensee, der Leiter des BUND Elbe-Projektes, Dr. E. Dörfler, der anhaltinische Kirchenpräsident H. Klassohn und die Europaabgeordnete der Grünen, A. Kallenbach, saßen im Podium.
In der Diskussion zeigte sich, dass der Bundesverkehrsminister weiterhin an dem Tiefenziel von 1,60 Meter für die Elbe festhält, es ihm aber nicht bekannt war, dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn die Wassermengen des längst vergangenen Zeitraums von 1973 bis 1986 dauerhaft gegeben sein würden. Diese Wassermengen fehlen allerdings seit Beginn der 90er-Jahre, deshalb gingen alle Baumaßnahmen an der Elbe ins Leere und würden ihr Ziel der ganzjährigen Befahrbarkeit der Elbe verfehlen. Der Zeitraum 1973-1986 war der wasserreichste Zeitraum der letzten 100 Jahre, wie das Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung in seiner Niedrigwasserstudie 2006 feststellte. Dennoch wird dieser
Zeitraum für die Planungen der Wasserstraßenbehörde verwendet, was von Ernst Paul Dörfler schlicht als "unredlich" bezeichnet wurde, denn die Öffentlichkeit werde dadurch getäuscht. Tiefenssee kündigte an, dass eine Studie zum Thema "Klimawandel und Binnenschifffahrt" in Auftrag gegeben wurde.

Nach BUND-Informationen wird die Elbe allerdings nicht betrachtet, sondern der Rhein. Dieser hat bei Niedrigwasser immerhin noch 2,5 Meter Tiefe, die Elbe allerdings einen Meter weniger. Gisela Kallenbach kritisierte, dass die Baumaßnahmen an der Elbe ohne die erforderlichen Prüfungen auf Umweltverträglichkeit und ohne Ermittlung einer Nutzen-Kosten-Analyse und unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Umweltverbände und Redner übten deutliche Kritik am unkontrollierten Ausbau der Elbe, welcher als verschleierte Unterhaltungsmaßnahmen stattfinde. Der durch den Klimawan-del bedingte Rückgang der Wasserstände und damit die Zuverlässigkeit der Schifffahrt lasse sich nicht durch Baumaßnahmen aufhalten, auch der geplante Saale-Seitenkanal sei eine Fehlinvestition. Der Fluss vertiefe sich bereits heute immer weiter, die Wasserversorgung der in weiten Teilen als UNESCOBiosphärenreservat geschützten Elbauen sei gefährdet.

Zur Waldschlösschenbrücke erneuerte Tiefensee die Bereitschaft der Bundesregierung, einen deutlichen Betrag des Mehraufwandes für eine welterbeverträgliche Lösung zu übernehmen. Das Projekt habe Bedeutung über Dresden und Sachsen hinaus, weil es das Ansehen und die Zuverlässigkeit Deutschlands gefährde. Ein Festgottesdienst an der Elbe mit Taufen vereinte am Nachmittag die für den Erhalt des natürlichen Flussverlaufs ange-reisten Teilnehmer unter dem aus angeschwemmten Hölzern errichteten "Coswiger Elbekreuz".

"So nicht!", resümierte der Kirchenpräsident in seiner Predigt und wies auf die Baustelle am gegenüberliegenden Ufer, wo Unmengen von Schotter verkippt wurden. Mit dem 1.
Elbekirchentag wurde aufgezeigt, dass es bis zum Erreichen dieses Ziels noch ein langer,
steiniger Weg sein wird, der noch vieler gemeinsamer Anstrengungen bedarf, um die Elbe als naturnahen Fluss zu schützen. Der 2. Elbe-Kirchentag wird 2009 in Mühlberg stattfinden.

(c) Archiv - Leipziger Volkszeitung

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