Der Spiegel 26. Mai 2008
Experten streiten sich über den Sinn eines Großprojektes der Bundesregierung. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will für den Ausbau des Saale-Elbe-Kanals 80 Millionen Euro ausgeben, um die Industrieregion Leipzig/Halle besser an die Nordseehäfen anzubinden. Nach einer Studie der Universität Halle-Wittenberg basiert die Kosten-Nutzen-Kalkulation des Ministeriums aber auf ungeeigneten Zahlen der Gutachterfirma Planco Consulting in Essen. So lägen die tatsächlichen Ladungsmengen pro Schiff mit 300 bis 400 Tonnen nur bei einem Drittel der Berechnungen des Ministeriums. Zudem führe der Klimawandel zu immer niedrigeren Wasserständen in Ostdeutschland, die eine „ganzjährig rentable Beschiffbarkeit“ immer unwahrscheinlicher machten. Die Planco-Studie verwendet zudem Preisangaben von 1998 – „grob daneben“, kommentiert der Leiter des Elbeprojektes des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Ernst Paul Dörfler, der die Hallenser Studie in Auftrag gab. Uni-Experten empfehlen eine Verlagerung der Gütertransporte auf die Bahn. Das Bundesverkehrsministerium will die neue Studie nicht kommentieren.
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